
Nicht-virale Genvektoren für die Gentherapie (Doktorarbeit: Nathalie Sieverling).
In den letzten Jahren ist die Gentherapie ein wichtiger Forschungsschwerpunkt in Biologie,
Chemie und Medizin geworden. Sie beinhaltet die Behebung von erblich bedingten Krankheiten
wie z.B. Mucoviscidose, Sichelzellenanämie oder Progerie. Dabei werden im Zellkern defekte
Gene durch normale, gesunde DNA-Sequenzen ersetzt. Zur Einschleusung des Genmaterials in
die Zellen (Transfektion) werden geeignete Transport-Systeme bzw. Methoden benötigt, die
dort die Freisetzung der neu einzubauenden Gene (Genexpression) gestatten.
Viren sind derzeit die wirkungsvollsten Systeme, da sich durch diese sowohl hohe Transfektions-
als auch Genexpressionsraten erzielen lassen. Nachteilig ist hingegen, dass Viren i.a. eine
erhebliche Zytotoxizität1 besitzen und ihre Isolierung und Aufarbeitung aus einer
biologischen Matrix kostenintensiv ist. Aus diesen Gründen werden nicht-virale Transport-Systeme
wie synthetische Polymere, Proteine und Liposome immer wichtiger.
Speziell synthetische Polymere bieten im Vergleich zu Biopolymeren eine weitaus größere Variabilität und bessere Handhabbarkeit, so dass maßgeschneiderte Problemlösungen mit einem rentablen Preis-Wirkungs-Verhältnis resultieren.
Speziell synthetische Polymere bieten im Vergleich zu Biopolymeren eine weitaus größere Variabilität und bessere Handhabbarkeit, so dass maßgeschneiderte Problemlösungen mit einem rentablen Preis-Wirkungs-Verhältnis resultieren.
Ziel des Vorhabens ist die Synthese, molekulare Charakterisierung sowie erste klinische
Applikationsuntersuchungen von nicht-viralen Genvektoren auf Basis kationischer Polymere
wie Polyethylenimin (PEI) und Polyvinylamin (PVAm). Derartige Polykationen bilden mit
DNA-Molekülen in wässrigen Medien lösliche Komplexe, die das Einschleusen des Genmaterials
in die Zelle ermöglichen (siehe Abbildung). Durch chemische Modifizierung dieser
Ausgangsmaterialien soll im weiteren eine verbesserte Transfektion, Genexpression als auch
die Minimierung der Zytotoxizität erreicht werden. Beispielsweise lassen sich bei Einsatz
entsprechender PEI- bzw. PVAm-Copolymere oder aus der Funktionalisierung der Basispolymere
mit Rezeptorliganden (vgl. rezeptor-vermittelte Endozytose2 ) die Transfektionsraten
entscheidend erhöhen.
Während die Arbeiten zur Synthese und Charakterisierung (z.B. NMR, UV/VIS, GPC Viskosimetrie,
Dynamische und Statische Lichtstreuung, Analytische Ultrazentrifuge...) am IAP und MPI erfolgen,
werden die nachfolgenden in-vivo bzw. in-vitro-Experimente (Luciferase- und Bradford-Assay,
Untersuchungen zur Endozytose mittels konfokaler Fluorenzensmikroskopie) an der Technischen
Universität München in der Gruppe von Dr. Carsten Rudolph und am Robert-Koch-Institut Berlin
unter der Leitung von Dr. habil. Oliver Kaiser durchgeführt. Weitere Kooperationen bestehen
derzeit zur Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung und Technischen Fachhochschule
Berlin.
Literaturangaben:
1 Marshall E.,Science 286 (1999): 2244-2245, Gene Therapy Death Prompts Review of Adenovirus, Vector
2 Lodish H., Baltimore D., Berk A., Zipursky S. L., Matsudaira P., Darnell J., Molekulare Zellbiologie, 2. Auflage, 1996, deGruyter Berlin New York, 751 ff.
1 Marshall E.,Science 286 (1999): 2244-2245, Gene Therapy Death Prompts Review of Adenovirus, Vector
2 Lodish H., Baltimore D., Berk A., Zipursky S. L., Matsudaira P., Darnell J., Molekulare Zellbiologie, 2. Auflage, 1996, deGruyter Berlin New York, 751 ff.
