
Design und Charakterisierung von Multicompartment Mizellen (Doktorarbeit: Stephan Kubowicz).
Ein wichtiges Ziel auf dem Gebiet der Selbstorganisation von segmentierten Copolymeren
(z.B. Block, Graft, Star-Block oder Miktoarm-Star-Copolymere) in Lösung ist das Design
von neuen mizellaren Morphologien mit verbesserten Eigenschaften. Der Anwendbarkeit von
konventionellen Mizellen, bestehend sowohl aus niedermolekularen Tensiden als auch aus
segmentierten A-B-Copolymeren, ist von vornherein beschränkt durch die Verwendung von
nur einer Sorte amphiphiler Moleküle die nur eine Art mizellarer Organisation in Lösung
haben (z.B. hydrophile Schale und hydrophober Kern). Folglich bieten diese Strukturen für
den Arzneimitteltransport nur einen Bereich (den hydrophoben Kern) um den Wirkstoff
einzulagern. In der Natur jedoch sind einigen biologische Systeme wie zum Beispiel das
human serum albumin (HSA) in der Lage verschiedene Substanzen zur gleichen Zeit selektiv
aufzunehmen und auch abzugeben. Das Konzept einer Multicompartment-Mizelle wurde inspiriert
von diesem Verhalten des HSA. Eine Multicompartment-Mizelle mit einem segmentierten
inneren Bereich wäre fähig verschiedene Wirkstoffe unterschiedlichen Typs aufzunehmen und
sie gleichzeitig im menschlichen Körper zu transportieren. Solche Strukturen können durch
Selbstorganisation von maßgeschneiderten amphiphilen Polymeren in wäßrigem Medium gebildet
werden. Diese können zum einen linear (A-B-C-Triblock oder A-B-C-B-A-Pentablock-Copolymere)
oder verzweigt (Graft-Terpolymere A-graft-B/C) sein. In allen Fällen sind jedoch die
chemische Struktur und die Länge der 3 Polymersegmente A, B und C die entscheidenden
Kriterien. Dabei sollte Segment A hydrophil sein wobei B und C beide hydrophob und
thermodynamisch inkompatibel sein sollten (zum Beispiel kann B eine Kohlenwasserstoffkette
sein und C eine Fluorkohlenstoffkette sein). Solche maßgeschneiderten Architekturen können
durch eine Kombination von verschiedenen Synthesemethoden, wie: kontrolliert radikalische
Polymerisation, Ringöffnungspolymerisation oder die Verbindung von telechelic Polymeren,
hergestellt werden.
Mögliche Morphologien für solche Multicompartment-Mizellen gibt es einige. So wäre zum
Beispiel ein mikro-phasenseparierter Kern umgeben von einer wasserlöslichen kugelförmigen
Schale zu erwarten. Die Kernmorphologie kann jedoch auch andere Strukturen haben wie zum
Beispiel onion-like, Kugel-in-Kugel oder lamellar. Die komplexe Mizellorganisation wird
in unserer Gruppe mit der Analytischen Ultrazentrifugation, der dynamischen und statischen
Lichtstreuung, der Röntgenkleinwinkelstreuung, der Viskosimetrie, der Elektronenmikroskopie
und der Atom-Kraft-Mikroskopie untersucht.
