
Entwicklung neuartiger Nanocarrier für die medizinische Diagnose und Therapie (Doktorarbeit Dagmar Schütt).
Die Magnetresonanz-Tomographie (MRT) ist ein modernes bildgebendes Diagnoseverfahren,
das in der Medizin vielfältig eingesetzt wird. Die Vorteile des MRT-Verfahrens sind zum
einen, dass zur Erzeugung der Bilder keine Röntgenstrahlung gebraucht wird, zum anderen
lassen sich ohne einen Eingriff in den Körper computergestützt Schnittbilder erzeugen,
die den Körper oder einzelne Organe aus jedem beliebigen Winkel darstellen.
Bei Einführung der MRT in die medizinische Diagnostik schien zuerst die Anwendung von
Kontrastmitteln nicht nötig zu sein. Es zeigte sich aber, dass durch geeignete Kontrastmittel
die Aussagekraft der MRT-Bilder um ein Vielfaches gesteigert wird. Die Entwicklung von
MRT-Kontrastmitteln auf Basis von Eisenoxiden (Magnetit, Maghemit) haben zum Beispiel zu
entscheidenden Verbesserungen in der Diagnose und Behandlung von Tumoren geführt. Diese
Kontrastmittel sind gut verträglich und ermöglichen eine deutliche Darstellung von
Metastasen in der Leber.
Nachteilig wirkt sich aber aus, dass das Anwendungsspektrum der bisher entwickelten
eisenoxidhaltigen MRT-Kontrastmittel sehr eng ist. Sie werden fast vollständig von Zellen
des retikuloendothelialen Systems (RES) der Leber aufgenommen und eignen sich somit nur für
die Unterscheidung von gesunden Leberzellen und Lebermetastasen.
Die Entwicklung neuer organspezifischer MRT-Kontrastmittel stellt einen wichtigen Beitrag
für die Weiterentwicklung der Diagnose und Therapie vieler Krankheiten dar. Für die
erfolgreiche Entwicklung organspezifischer MRT-Kontrastmittel ist es unerlässlich, ein
grundlegendes Verständnis für die Zusammenhänge zwischen den physikalisch-chemischen
Eigenschaften des Kontrastmittels und dessen Verhalten im menschlichen Körper (in vivo)
zu bekommen.
Ziel des Projektes "Nanocarrier für die medizinische Diagnose und Therapie" ist es deshalb,
durch Grundlagenforschung an einem einfachen MRT-Kontrastmittel-System die Wechselwirkungen
zwischen den physikalisch-chemischen Eigenschaften des untersuchten Systems und dessen in
vivo-Verhalten aufzuklären und damit die gezielte Entwicklung organspezifischer
MRT-Kontrastmittel zu ermöglichen.
Das dabei untersuchte MRT-Kontrastmittel besteht aus Eisenoxidpartikeln (Magnetit, Maghemit)
im unteren Nanometerbereich, die mit unterschiedlichen Polymeren/Polyelektrolyten beschichtet
werden. Die verwendeten Polymere/Polyelektrolyte unterscheiden sich dabei systematisch in ihrer
Ladung, Ladungsdichte und Struktur. Durch in vitro-Tests (Zellkulturen) und in
vivo-Untersuchungen (Ratte) und eine physikalisch-chemische Charakterisierung der beschichteten
Partikel soll der Einfluss der Partikeleigenschaften auf die Verweilzeit der Partikel im
Blutkreislauf und die Organverteilung bestimmt werden. Zusätzlich zur Entwicklung
organspezifischer MRT-Kontrastmittel soll die Möglichkeit der Arzneimittelinkorporation in
diese Kontrastmittel untersucht werden. Ein arzneistoffhaltiges organspezifisches Kontrastmittel
könnte Diagnose und Therapie einer Krankheit in einem Schritt miteinander verknüpfen und durch
eine spezifische Anreicherung des Arzneistoffs am Zielorgan mögliche Nebenwirkungen der Therapie
auf den Körper verringern.
